Emilia Galotti — Inhaltsangabe
Aufklärung Prosawerk Abitur Kapitel 2 / 19

Emilia Galotti — Inhaltsangabe

Musteraufsatz · Gotthold Ephraim Lessing
Sophie Hartmann
7 Min. Lesezeit · 20. August 2026

Lessings Emilia Galotti ist ein Drama in fünf Akten, weshalb es keinen Erzähler im eigentlichen Sinne gibt; das Geschehen entfaltet sich szenisch durch Dialoge und Monologe der Figuren. Die Handlung spielt im 18. Jahrhundert an einem fiktiven italienischen Hof in Guastalla sowie auf dem nahe gelegenen Lustschloss Dosalo, wobei Lessing Italien als Tarnung für die deutschen Verhältnisse seiner Zeit nutzt. Der Ton ist konzentriert, psychologisch zugespitzt und von kühler Klarheit geprägt, wie sie für die Aufklärung charakteristisch ist. Die Sprache wechselt zwischen höfischer Eleganz und bürgerlichem Ernst und schafft so jene Spannung, aus der die Tragik des Stücks erwächst.

Erster Akt

Der Akt spielt im Kabinett des Prinzen Hettore Gonzaga, des regierenden Fürsten von Guastalla. Der Prinz sitzt morgens an seinem Schreibtisch und erledigt unwillig Regierungsgeschäfte. Eine Bittschrift einer gewissen Emilia Bruneschi lässt ihn aufhorchen, weil der Vorname ihn an Emilia Galotti erinnert, eine junge Bürgerstochter, in die er sich heftig verliebt hat. Er unterzeichnet das Gesuch achtlos, nur weil der Name darauf steht, und offenbart damit bereits die Willkür seiner Amtsführung.

Der Maler Conti erscheint und bringt zwei Porträts mit: eines der Gräfin Orsina, der bisherigen Mätresse des Prinzen, und eines von Emilia Galotti. Der Prinz wendet sich kühl vom Bild der Orsina ab, deren Liebe er längst abgelegt hat, und ist beim Anblick Emilias Porträts entzückt. Er kauft das Bild zu einem überhöhten Preis und schwelgt in seiner Leidenschaft. Conti erkennt zwar die Begeisterung des Prinzen, deutet sie jedoch zunächst nicht als bedrohlich.

Kaum ist Conti gegangen, tritt der Kammerherr Marinelli auf, ein gewandter, skrupelloser Höfling. Er überbringt die Nachricht, dass Emilia Galotti noch am selben Tag den Grafen Appiani heiraten und mit ihm auf dessen Landgüter im Piemont ziehen werde. Der Prinz ist außer sich vor Verzweiflung, da er Emilia für immer zu verlieren droht. Marinelli erkennt die Chance, sich beim Prinzen unentbehrlich zu machen, und erhält Vollmacht, alles zu unternehmen, um die Hochzeit zu verhindern. Der Prinz eilt anschließend in die Messe, weil Emilia dort regelmäßig zu beten pflegt.

Zweiter Akt

Der Schauplatz wechselt in das Haus der Familie Galotti in Guastalla. Claudia Galotti, Emilias Mutter, und ihr Mann Odoardo, ein strenger, tugendhafter alter Soldat, der zurückgezogen auf seinem Landsitz lebt, begegnen einander in der Stadtwohnung. Odoardo ist nur kurz gekommen, um die letzten Vorbereitungen für die Hochzeit zu treffen; er will sofort wieder aufs Land zurückreiten, weil er die höfische Atmosphäre der Stadt verabscheut. Claudia berichtet ihm beiläufig, dass der Prinz Emilia auf einem Fest beim Kanzler Grimaldi seine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Odoardo reagiert beunruhigt, doch Claudia spielt den Vorfall herunter.

Emilia stürzt aufgelöst nach Hause. Sie berichtet, der Prinz habe sie in der Kirche angesprochen und ihr Liebesworte zugeflüstert, was sie so erschreckt habe, dass sie aus der Messe geflohen sei. Claudia versucht zu beschwichtigen und rät der Tochter, dem Bräutigam nichts davon zu sagen, um die Hochzeit nicht zu gefährden. Damit wird ein verhängnisvolles Schweigen begründet, das den weiteren Verlauf prägt.

Graf Appiani erscheint, ein ernster, fast melancholischer Mann, der Emilia aufrichtig liebt. Er wirkt bedrückt und spricht von dunklen Vorahnungen. Marinelli sucht ihn auf und versucht zunächst, ihn mit einer angeblichen diplomatischen Mission nach Massa zum Fürsten von Massa zu schicken, um die Hochzeit zu verschieben. Als Appiani das Ansinnen empört zurückweist und Marinelli beleidigt, fordert dieser ihn zum Duell, was Appiani jedoch verächtlich ablehnt. Marinelli verlässt das Haus voller Hass und entschlossen, einen anderen, gewaltsameren Weg zu wählen.

Dritter Akt

Auf dem Lustschloss Dosalo wartet der Prinz fieberhaft auf Nachrichten. Marinelli enthüllt seinen Plan: Da Appiani sich nicht weglocken ließ, werde der Hochzeitszug, der ohnehin am Schloss vorbeiführt, überfallen. Emilia solle dabei scheinbar zufällig gerettet und ins Schloss gebracht werden. Der Prinz ist über die Gewalttätigkeit des Plans erschrocken, willigt aber ein, weil er Emilia um jeden Preis besitzen will.

Bald hört man Schüsse. Emilia wird kurz darauf von Bedienten ins Schloss geführt; sie ist verstört und weiß nicht, was geschehen ist. Marinelli erzählt ihr eine entstellte Version: Räuber hätten den Wagen überfallen, der Prinz habe großzügig Zuflucht gewährt. Der Prinz selbst empfängt Emilia mit gespielter Anteilnahme und führt sie in ein Nebenzimmer, um sie zu beruhigen, in Wahrheit aber, um mit ihr allein zu sein.

Marinelli berichtet dem Prinzen unterdessen kühl, dass Appiani beim Überfall durch eine Kugel tödlich verwundet wurde. Der Prinz erschrickt zwar, lässt sich aber von Marinelli überzeugen, dass es nun keinen Weg zurück mehr gebe. Claudia Galotti, die ebenfalls im Wagen saß, wird ins Schloss gebracht. Sie durchschaut sofort den Zusammenhang zwischen dem Anschlag und Marinellis Auftreten am Morgen. In einer wütenden Szene beschimpft sie Marinelli als Mörder und Kuppler, doch der Höfling bleibt eiskalt.

Vierter Akt

Der Prinz und Marinelli sprechen über die entstandene Lage. Der Prinz ist nervös und versucht, die Verantwortung für den Tod Appianis von sich zu weisen, doch Marinelli hält ihn an seinen Plan gebunden. Während der Prinz noch schwankt, kündigt sich überraschend Gräfin Orsina an, die verlassene Mätresse, die argwöhnisch geworden ist und Aufklärung sucht. Der Prinz weicht ihr aus und lässt sich verleugnen, was Orsina nur in ihrem Verdacht bestärkt.

Orsina trifft auf Marinelli und entlockt ihm in einem zugleich klugen und verzweifelten Gespräch den wahren Sachverhalt. Sie begreift, dass der Überfall auf den Hochzeitszug ein Werk des Prinzen ist, und beschließt, sich zu rächen. In dieser Stimmung trifft Odoardo ein, den Claudia heimlich hat rufen lassen. Orsina erkennt in ihm einen Verbündeten und enthüllt ihm rückhaltlos, dass der Prinz Emilia begehrt und der Anschlag auf den Hochzeitszug von ihm selbst veranlasst worden sei. Sie drückt Odoardo einen Dolch in die Hand, mit der unausgesprochenen Aufforderung zur Rache, und entfernt sich.

Odoardo, innerlich zerrissen zwischen Ehre, Glauben und Vaterliebe, ringt mit dem Gedanken an einen Mord am Prinzen. Marinelli tritt hinzu und erklärt mit höflicher Härte, Emilia müsse zur Untersuchung der Tat in das Haus des Kanzlers Grimaldi gebracht werden, wo sie unter Aufsicht des Hofes stehe. Odoardo durchschaut, dass damit Emilia faktisch in die Gewalt des Prinzen gerät, und sucht verzweifelt nach einem Ausweg.

Fünfter Akt

Marinelli und der Prinz beraten sich erneut, während Odoardo allein zurückbleibt. Sein Plan, den Prinzen zu töten, scheitert an seinem eigenen Zweifeln und an der Unmöglichkeit, ungestört an ihn heranzukommen. Schließlich wird er zu Emilia geführt. Vater und Tochter sprechen erstmals seit dem Überfall miteinander.

Emilia berichtet, was sie inzwischen begriffen hat: Der Prinz ist der eigentliche Urheber des Anschlags, und sie soll in das Haus des Kanzlers gebracht werden, wo sie der Verführung dauerhaft ausgesetzt wäre. Sie bekennt mit erschreckender Offenheit, dass sie nicht sicher sei, ob ihre eigene Tugend einer langen Verführung standhalten würde. Sie verweist auf die antike Virginia, deren Vater die Tochter tötete, um sie vor dem Zugriff eines Tyrannen zu retten, und fordert Odoardo auf, dasselbe zu tun.

Odoardo zögert, doch Emilia drängt. Sie nimmt schließlich selbst den Dolch oder lenkt seine Hand, und Odoardo ersticht seine Tochter. Sterbend dankt sie ihm und spricht von einer gebrochenen Rose. Odoardo tritt vor den Prinzen und stellt ihn zur Rede; er übergibt sich anschließend selbst der Justiz. Der Prinz ist erschüttert, schiebt jedoch zugleich die Schuld auf Marinelli, den er empört aus seiner Nähe verbannt. Mit dieser Szene endet das Trauerspiel: Der bürgerliche Vater hat seine Tochter eher getötet, als sie der höfischen Willkür zu überlassen, und der Prinz bleibt mit der Erkenntnis zurück, dass auch Fürsten Menschen sind und Verantwortung tragen.

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