Homo faber — Inhaltsangabe
Nachkrieg Prosawerk Abitur Kapitel 2 / 15

Homo faber — Inhaltsangabe

Musteraufsatz · Max Frisch
Sophie Hartmann
7 Min. Lesezeit · 2. July 2026

Der Roman ist als Bericht in der Ich-Form verfasst, den der UNESCO-Ingenieur Walter Faber selbst in zwei Etappen niederschreibt: die Erste Station in einem Hotel in Caracas, die Zweite Station auf seinem Krankenbett im Athener Spital. Die Handlung spielt zwischen März und Juli 1957 und reicht von New York über Mittelamerika, Paris, Italien und Griechenland bis zurück in die Schweiz. Faber schreibt scheinbar nüchtern, technisch und protokollarisch, doch unter der dokumentarischen Oberfläche bricht zunehmend ein verzweifelter, selbstbefragender Ton hervor. Diese Spannung zwischen sachlichem Bericht und unterdrückter Emotion prägt den Roman als typisches Werk der Nachkriegsmoderne.

Erste Station: Flug nach New York und Notlandung in Mexiko

Walter Faber, 50 Jahre alter Schweizer Ingenieur im Dienst der UNESCO, besteigt in New York eine Super-Constellation nach Caracas, um dort Turbinen zu montieren. Schon beim Einsteigen empfindet er eine vage Unlust, die er als nervliche Übermüdung abtut. Sein Sitznachbar, ein Düsseldorfer namens Herbert Hencke, weckt sein Misstrauen, weil er ihn an jemanden erinnert. Im Verlauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass Herbert der Bruder von Joachim Hencke ist, Fabers ehemaligem Studienfreund aus Zürcher Tagen. Joachim hat damals Hanna geheiratet, eine Halbjüdin und Fabers große Jugendliebe, von der er sich kurz vor dem Krieg getrennt hat, als sie schwanger war. Faber ging davon aus, dass Hanna das Kind hatte abtreiben lassen.

Über Mexiko gerät die Maschine in Triebwerksstörungen und muss in der Wüste Tamaulipas notlanden. Faber erlebt diese existentielle Bedrohung mit demonstrativer Sachlichkeit, rasiert sich, spielt Schach mit Herbert und verdrängt jede Angst. In den Tagen des Wartens reift in ihm der ungewöhnliche Entschluss, seine Reise zu unterbrechen und Herbert auf dessen Weg zu Joachim zu begleiten, der eine Tabakplantage in Guatemala leitet und seit Monaten kein Lebenszeichen gegeben hat. Nach der Rettung durch ein Suchflugzeug brechen die beiden Männer mit Jeep und Geländewagen ins Landesinnere auf.

Die Reise durch den Dschungel und der Tod Joachims

Der Weg durch die feuchte, dampfende Landschaft Mittelamerikas wird zur Strapaze. Faber, der die Natur als feindlich, schmutzig und übermäßig fruchtbar empfindet, leidet unter Hitze, Geiern und der bedrückenden Vegetation. Auf der abgelegenen Plantage finden sie Joachim erhängt im Baracken-Inneren vor; offenbar hat er sich Wochen zuvor in der Einsamkeit das Leben genommen. Faber registriert den Befund mit derselben technischen Distanz, mit der er sonst Maschinen beurteilt, doch die Begegnung mit dem Selbstmord eines alten Freundes hinterlässt Spuren, die er nicht eingesteht. Nach der Beerdigung kehrt er nach Caracas zurück, ist dort wegen Magenbeschwerden jedoch nicht arbeitsfähig und fliegt schließlich nach New York zurück, wo er seinen Bericht in einem Hotel zu schreiben beginnt.

Rückkehr nach New York und Trennung von Ivy

In New York erwartet ihn Ivy, eine junge Amerikanerin, mit der er eine wenig verbindliche Beziehung führt. Faber empfindet sie als anstrengend und besitzergreifend; er möchte sie loswerden. Statt wie geplant zu einer Konferenz nach Paris zu fliegen, entschließt er sich kurzfristig, eine Schiffspassage zu nehmen, um Ivy zu entkommen. An Bord der MS Tampico sucht er die Einsamkeit, beobachtet aber bald eine junge Frau mit rötlichem Pferdeschwanz, die ihn an Hanna erinnert. Sie heißt Elisabeth, von ihrer Mutter Sabeth genannt, ist etwa zwanzig Jahre alt und auf dem Weg zurück nach Europa, wo sie studiert.

Zwischen Faber und Sabeth entwickelt sich auf der Überfahrt eine zarte, durch Altersunterschied und Fabers schroffe Art zugleich gehemmte Annäherung. Sie spielen Tischtennis, unterhalten sich über Kunst, Technik und Literatur, und Faber, der sonst keinen Sinn für Mythen oder Gefühle zu haben behauptet, macht ihr in einer halb scherzhaften, halb ernsten Geste einen Heiratsantrag. Sabeth weicht aus. Schon hier deutet der Erzähler im Rückblick an, dass er die Wahrheit eigentlich hätte ahnen müssen.

Paris, Begegnung mit Sabeth und gemeinsame Reise nach Süden

In Le Havre trennen sich ihre Wege zunächst. In Paris erledigt Faber seine Konferenztermine, sucht Sabeth aber bald wieder, weil ihn ihre Abwesenheit irritiert. Er findet sie im Louvre, und sie verbringen mehrere Tage gemeinsam in der Stadt. Faber erfährt nach und nach, dass Sabeths Mutter Hanna heißt, in Athen lebt und vom Vater des Mädchens, einem gewissen Joachim Hencke, geschieden ist. Der Bericht hält fest, wie Faber die naheliegende Schlussfolgerung – dass Sabeth seine eigene Tochter sein könnte – mit einem mathematischen Wahrscheinlichkeitskalkül beiseite schiebt: Hanna habe Joachim geheiratet, also müsse Sabeth Joachims Kind sein.

Gemeinsam beschließen sie, mit dem Wagen über Avignon, die Provence und Italien nach Griechenland zu fahren, wo Sabeth zu ihrer Mutter zurück möchte. Die Reise gerät zu einer Idylle aus Landschaftseindrücken, antiken Stätten und langsamer Annäherung. In einem Hotel in Avignon werden sie zum ersten Mal ein Liebespaar; Faber empfindet eine Glückserfahrung, wie er sie sich als rationaler Techniker nie zugestanden hatte. Auf der Fahrt durch Italien besichtigen sie Pisa, Florenz, Rom und schließlich die etruskischen Gräber, wo der Erzähler den Tod als kulturelles Motiv abwehrend, fast aggressiv, zurückweist.

Der Unfall am griechischen Strand

In Griechenland angekommen, machen sie an einem einsamen Strand bei Akrokorinth halt, um zu baden. Sabeth steigt nach dem Bad eine Böschung hinauf. Als Faber, nackt aus dem Wasser kommend, plötzlich vor ihr auftaucht, erschrickt sie, weicht zurück und stürzt rückwärts den Hang hinunter. Sie schlägt mit dem Hinterkopf auf einen Stein. Bewusstlos, aber zunächst scheinbar nur leicht verletzt, bringt Faber sie nach Athen ins Krankenhaus.

Im Hospital trifft er Hanna wieder, die mittlerweile dort als Archäologin am Institut arbeitet. Die Wiederbegegnung nach mehr als zwanzig Jahren ist von Scham, Schuld und unausgesprochenen Vorwürfen geprägt. Hanna gesteht ihm, was er längst hätte wissen können: Sabeth ist Fabers Tochter. Hanna hatte das Kind nicht abgetrieben, sondern allein großgezogen, später Joachim geheiratet, der die Vaterschaft formal übernahm. Während die beiden über die Vergangenheit sprechen und über Hannas Entscheidungen streiten, scheint Sabeth sich zu erholen. Doch eine bei der Aufnahme nicht erkannte Schädelfraktur, kombiniert mit einer Embolie, führt zu ihrem plötzlichen Tod. Faber bricht zusammen.

Zweite Station: Caracas, Kuba und die Rückkehr

Mit der zweiten Station des Berichts setzt Faber, wie betäubt, seine Arbeit fort. Er fliegt erneut nach Caracas, kann aber wegen seines verschlechterten Magenleidens nicht arbeiten und beginnt im Hotelzimmer den zweiten Teil seiner Aufzeichnungen. Auf einer Zwischenstation in Havanna durchlebt er eine Art innere Wandlung. Vier Tage lang lässt er sich treiben, beobachtet die kubanischen Menschen, ihre Lebensfreude, Sinnlichkeit und Schönheit, und stellt sein bisheriges, technisch-distanziertes Weltbild radikal in Frage. Er erkennt, dass er sein Leben lang nicht gelebt, sondern nur funktioniert habe, dass er Gefühle, Vergänglichkeit und Körperlichkeit verdrängt habe.

Anschließend fliegt er über Düsseldorf, wo er Herbert Hencke einen Film aus Guatemala übergeben will und ihn doch nicht antrifft, nach Zürich. Dort sucht er den ehemaligen Freund Professor O. auf, der wie er selbst von einer Krebserkrankung gezeichnet ist – ein deutlicher Spiegel für Fabers eigenes Schicksal.

Athen: Operation und letzte Aufzeichnungen

Schließlich kehrt Faber nach Athen zurück, zu Hanna. Die letzten Aufzeichnungen entstehen unmittelbar vor einer Magenoperation, von der nicht klar ist, ob er sie überleben wird; vermutlich handelt es sich um Magenkrebs. Hanna besucht ihn täglich. Die Gespräche zwischen den beiden, einst Liebenden und nun durch den Tod der gemeinsamen Tochter verbundenen Menschen, sind von einer schmerzhaften Klarheit. Hanna konfrontiert ihn mit seinem Versäumnis, mit der lebenslangen Flucht vor Bindung und mit der Frage, was Mensch und Welt jenseits der Maschine bedeuten.

Faber selbst kommt in seinen Notaten zu der Einsicht, dass er die Welt, die Frauen und sich selbst falsch gesehen hat. Er bereut nicht im moralischen Sinne, sondern erkennt, dass das, was er als Zufall abgetan hat, eine Struktur trägt, die er nicht beherrschen konnte. Der Bericht bricht in der Stunde des Eingriffs ab; die letzten Sätze halten unmittelbar vor der Operation den Wunsch fest, einfach nur zu sein, ohne zu rechnen, ohne zu deuten. Das offene Ende lässt Fabers Tod wahrscheinlich, aber nicht gesichert erscheinen und gibt dem Roman seine charakteristische, zwischen tragischer Notwendigkeit und existenzieller Erkenntnis schwebende Geste.

Wissenstest
Teste dein Wissen zu Homo faber
Multiple-Choice · automatisch ausgewertet
Test starten →