Welche Rolle spielt der Schwarze Panther als Symbol im Stück, und in welchem Zusammenhang erscheint er?
Nachkrieg Prosawerk Abitur

Welche Rolle spielt der Schwarze Panther als Symbol im Stück, und in welchem Zusammenhang erscheint er?

Musteraufsatz · Friedrich Dürrenmatt
Sophie Hartmann
3 Min. Lesezeit · 16. September 2026

Friedrich Dürrenmatts Stück Der Besuch der alten Dame (1956) handelt von Klara Zachanassian, einer steinreichen Milliardärin, die in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurückkehrt. Sie bietet der Stadt eine Milliarde an — unter einer Bedingung: Die Güllener sollen Alfred Ill töten, den Mann, der sie einst vor Gericht als Hure verleumdet und damit ins Elend getrieben hatte. Der schwarze Panther gehört zu Klaras Reisegesellschaft und taucht bereits im ersten Akt auf.

Das Tier und sein Auftritt

Klara reist mit einem ganzen Gefolge an: zwei blind gemachten Zeugen aus der Vergangenheit, zwei Gangstern, einem Butler — und eben einem schwarzen Panther im Käfig. Das Tier ist kein bloßes Accessoire einer exzentrischen Reichen. Es ist bewacht, es ist eingesperrt, und es ist gefährlich. Als der Panther im Verlauf des ersten Akts ausbricht und durch Güllen streift, löst das einen Jagdaufruf aus. Die Stadtbewohner, die kurz zuvor noch Klara ehrfürchtig begrüßt haben, greifen zu Gewehren. Der Panther wird gestellt und getötet.

Vorverweis auf Ills Schicksal

Die Parallele zwischen dem Panther und Alfred Ill ist kompositorisch präzise angelegt. Ill ist wie das Tier: Er lebt zunächst noch frei in Güllen, wird aber zunehmend eingekreist. Wie der Panther durch die Stadt gehetzt wird, so versucht Ill im zweiten Akt zu fliehen — und scheitert. Die Güllener stehen an Bahnhöfen und Haltestellen, nicht als Wächter erkennbar, aber unmissverständlich als Bewacher. Die Jagd auf den Panther antizipiert strukturell die Jagd auf den Menschen.

Dürrenmatt arbeitet hier mit einer Technik, die für seine Dramaturgie typisch ist: das scheinbar Beiläufige als Vorausdeutung. Der Panther stirbt, bevor die eigentliche Handlung eskaliert — sein Tod markiert den Moment, in dem das Spiel für Ill noch offen zu sein scheint, es aber längst nicht mehr ist.

Das Symbolfeld: Raubtier und Käuflichkeit

Der schwarze Panther trägt weitere Bedeutungsschichten. Als Raubtier verkörpert er die Seite Klaras, die sich Güllen nicht als Wohltäterin nähert, sondern als Jägerin. Ihre gesamte Erscheinung ist auf Härte und Unerbittlichkeit ausgelegt — die Prothesen, die mechanischen Körperteile, die sie im Stück selbst kommentiert, unterstreichen das Maschinelle, Unaufhaltsame ihrer Figur. Der Panther ist das tierische Pendant dazu: wild, schwarz, nicht zu domestizieren.

Zugleich ist er, wie Klara selbst, Eigentum. Er gehört ihr, er reist mit ihr, er stirbt auf ihrem Territorium. Das verbindet ihn mit dem Motiv der totalen Verfügungsgewalt, das Klaras Auftreten durchzieht: Sie kauft Menschen, Richter, Zeugen, ganze Gemeinden. Der Panther ist Teil dieses Systems — bezahlbar, besitzbar, austauschbar.

Der Name als Signal

Klara nennt den Panther Bobby — denselben Namen wie ihren Butler, der sich im Stück als ehemaliger Gerichtsdiener aus dem Verfahren gegen sie herausstellt. Die Namensgleichheit ist kaum zufällig. Sie deutet auf ein Prinzip in Klaras Welt hin: Alles, was ihr gehört, wird von ihr benannt, geordnet, unterworfen — ob Mensch oder Tier. Der Panther ist in diesem Sinne auch ein Spiegel des Personals, das sie umgibt: einst gefährlich, jetzt in ihrer Hand.

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